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Männer ab 49: Wenn aus Vertrautheit Fremdverliebtheit wird – und was verlorene Neugier damit zu tun hat

Männer ab 49: Wenn aus Vertrautheit Fremdverliebtheit wird – und was verlorene Neugier damit zu tun hat
Wenn aus Vertrautheit Fremdverliebtheit wird

Es beginnt selten an dem Tag, an dem er sagt: „Ich habe mich verliebt.“


Meist beginnt es viel früher. Vielleicht sogar Jahre vorher, Nicht unbedingt mit einem Streit, einer großen Krise oder einem schlechten Sexualleben, sondern mit etwas viel Unspektakulärerem: Zwei Menschen hören irgendwann auf, sich wirklich füreinander zu interessieren.


Sie kennen die Geschichten des anderen. Sie wissen, wie er morgens seinen Kaffee trinkt, welche Kollegen er nicht leiden kann und dass sie beim Einkaufen grundsätzlich die falsche Käsesorte mitbringt. Sie kennen die Macken, die Lieblingssendungen und die Antworten auf die meisten Fragen.

Und genau darin liegt die Gefahr.


Man kann einen Menschen sehr lange kennen und gleichzeitig aufhören, ihn wirklich zu sehen.


Gerade um die 50 kann diese Dynamik eine besondere Bedeutung bekommen. Die Kinder sind vielleicht größer oder aus dem Haus, beruflich ist vieles erreicht oder verändert sich gerade, die eigene Endlichkeit wird spürbarer und Fragen tauchen auf, die mit 30 noch weit weg waren: War das alles?

Wer bin ich eigentlich geworden?

Was möchte ich noch erleben?

Wie möchte ich die nächsten 20 oder 30 Jahre verbringen?


Das bedeutet nicht, dass jeder Mann ab 49 eine Midlife-Crisis bekommt oder automatisch nach einer jüngeren Frau sucht. Aber es bedeutet, dass sich in dieser Lebensphase vieles verändert – und eine langjährige Beziehung mit diesen Veränderungen Schritt halten muss.


Die andere Frau ist nicht immer der Anfang der Geschichte


Wenn ein Mann sich fremdverliebt, wird häufig zuerst die andere Frau betrachtet. Wie sieht sie aus? Was hat sie, was die Ehefrau nicht hat? Ist sie jünger, aufregender, unkomplizierter?


Diese Fragen sind verständlich, führen aber häufig am eigentlichen Thema vorbei.

Denn die Forschung zu Untreue zeigt ein deutlich komplexeres Bild. Beziehungzufriedenheit, Liebe, sexuelles Verlangen und die Dauer einer Beziehung gehören zu den Faktoren, die mit Untreue zusammenhängen. Auch Gelegenheiten und individuelle Einstellungen spielen eine Rolle.


Eine Studie mit Männern mittleren Alters fand beispielsweise einen Zusammenhang zwischen höherem Testosteron und häufigerem untreuem Verhalten. Das ist interessant, aber es erklärt eben nicht, warum ein bestimmter Mann seine Partnerin betrügt. Biologie kann Verhalten beeinflussen...sie nimmt einem Menschen jedoch nicht die Verantwortung für seine Entscheidungen ab.


Und deshalb greift der Satz „Männer sind eben so“ viel zu kurz.

Was passiert, wenn aus Neugier Gewissheit wird?


Am Anfang einer Beziehung wollen wir alles wissen.

Was denkst du?

Was macht dich glücklich?

Wovor hast du Angst?

Was möchtest du unbedingt noch erleben?

Was hast du als Kind geträumt?

Was würdest du tun, wenn du ein Jahr lang völlig frei wärst?

Wir hören zu. Wir fragen nach. Wir beobachten.

Und dann kommt der Alltag.

Aus „Was beschäftigt dich gerade?“ wird „Was essen wir heute?“.

Aus langen Gesprächen wird Organisation.

Aus Blickkontakt wird ein kurzer Kuss im Vorbeigehen.

Aus „Erzähl mir davon“ wird „Das hast du mir doch schon erzählt“.

Und irgendwann wird der Partner nicht mehr als Mensch betrachtet, der sich ständig weiterentwickelt, sondern als jemand, den man bereits vollständig kennt.


Doch kein Mensch bleibt 20 oder 30 Jahre derselbe.


Auch die Frau, die mit 32 geheiratet hat, ist mit 52 nicht mehr dieselbe Frau Und der Mann, der damals neben ihr stand, ist ebenfalls ein anderer geworden.

Vielleicht wäre die entscheidende Frage deshalb nicht: „Warum verliebt er sich in eine andere?“


Sondern:

„Wann haben wir eigentlich aufgehört, uns gegenseitig neu kennenzulernen?“


Verlorene Neugier kann eine Beziehung leise austrocknen

Psychologische Forschung zu langfristigen Beziehungen zeigt, dass gemeinsame neue und anregende Erfahrungen die Beziehungszufriedenheit fördern können. Paare profitieren nicht nur davon, dass sie angenehme Dinge gemeinsam tun, sondern besonders davon, wenn sie gemeinsam etwas Neues erleben und dadurch Wachstum und Lebendigkeit erfahren.


Das ist bemerkenswert, Denn eine lange Beziehung braucht offenbar nicht nur Sicherheit. Sie braucht auch Lebendigkeit.


Das bedeutet nicht, jedes Wochenende einen Fallschirmsprung zu buchen oder plötzlich ein völlig neues Leben zu erfinden. Es kann viel einfacher sein: gemeinsam reisen, etwas lernen, einen unbekannten Ort besuchen, miteinander über ein Thema sprechen, das bisher keinen Platz hatte oder den Partner tatsächlich einmal wieder fragen:

„Was möchtest du eigentlich heute?“


Nicht: „Was möchtest du heute essen?“


Sondern: „Was möchtest du von Deinem Leben?“


Das ist ein großer Unterschied.


Und dann gibt es diese eine Erfahrung: „Sie versteht mich.“


Eine der wichtigsten Größen in Beziehungen ist das Gefühl, vom Partner verstanden, bestätigt und umsorgt zu werden. In der psychologischen Forschung wird dies als perceived partner responsiveness, also wahrgenommene Responsivität des Partners, bezeichnet. Sie gilt als wichtiger Bestandteil von Nähe und Intimität.


Und hier wird es interessant.

Ein Mann trifft eine Frau, die ihm zuhört.

Sie fragt ihn nach seiner Arbeit.

Sie interessiert sich für seine Gedanken.

Sie lacht über seine Geschichten.

Sie findet ihn interessant.

Sie sieht nicht nur den Mann, der seit Jahren dieselbe Rolle erfüllt – Ehemann, Vater, Versorger, Chef, Kollege.

Sie sieht wieder den Mann Und plötzlich fühlt er sich nicht mehr wie jemand, dessen Geschichte längst geschrieben ist.

Er fühlt sich lebendig.

Das kann unglaublich verführerisch sein.

Nicht unbedingt, weil die andere Frau „besser“ ist, Sondern weil er sich in ihrer Gegenwart vielleicht wieder als eine Version seiner selbst erlebt, die er längst vergessen hatte.


Aber auch die Frau sollte sich eine unbequeme Frage stellen

Dieser Artikel ist ausdrücklich keine Schuldzuweisung an Frauen.

Eine Affäre ist eine Entscheidung. Wer fremdgeht, trägt dafür Verantwortung. Eine Beziehungskrise rechtfertigt keinen Betrug.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, sich die eigene Beziehung ehrlich anzusehen.

Wann haben wir zuletzt wirklich miteinander gesprochen?

Wann haben wir uns zuletzt neugierig angesehen?

Wann habe ich meinen Partner nicht nur gefragt, was erledigt werden muss, sondern was ihn bewegt?

Und wann hat er mich eigentlich zuletzt gefragt, was mich bewegt?

Denn auch Frauen verändern sich.


Gerade Frauen ab 40 beginnen häufig, ihre eigene Identität neu zu betrachten. Die Kinder werden selbstständiger, die berufliche Situation verändert sich, die Wechseljahre bringen körperliche Veränderungen mit sich und plötzlich entsteht Raum für Fragen, die jahrelang von Familie und Alltag überlagert wurden.

Wer bin ich – jenseits meiner Rolle als Mutter, Ehefrau und Organisatorin?

Diese Frage kann eine Beziehung verändern Und manchmal rettet nicht mehr gemeinsame Pflichterfüllung eine Beziehung, sondern zwei Menschen, die wieder anfangen, sich füreinander zu interessieren.


Was wäre, wenn wir wieder Fragen stellen?

Vielleicht wäre das ein erstaunlich einfaches Experiment.

Setzen Sie sich Ihrem Partner gegenüber und stellen Sie ihm eine Frage, deren Antwort Sie tatsächlich noch nicht kennen.

Nicht über die Steuererklärung.

Nicht über den nächsten Urlaub.

Nicht über die Kinder.

Sondern zum Beispiel:

„Was würdest du heute anders machen als vor zehn Jahren?“

Oder:

„Gibt es etwas, von dem du mir noch nie erzählt hast, weil es dir unwichtig erschien?“

Oder:

„Was fehlt dir gerade in Deinem Leben?“

Und dann kommt der schwierigste Teil:

Hören Sie zu, ohne sofort zu bewerten, zu korrigieren oder eine Lösung anzubieten.

Denn echte Neugier bedeutet, dass ich bereit bin, möglicherweise etwas zu erfahren, das ich noch nicht weiß.

Auch nach 20 oder 30 Jahren Beziehung.

Vielleicht sogar gerade dann.

Die Frage ist nicht: Wie verhindere ich, dass er sich verliebt?


Vielleicht ist das die falsche Frage.


Die bessere Frage könnte lauten:

„Wie können wir dafür sorgen, dass wir uns auch nach vielen Jahren noch gegenseitig entdecken?“


Denn eine lange Beziehung darf vertraut sein. Sie darf bequem sein und Sie darf Sicherheit geben.

Aber sie sollte nicht so vertraut werden, dass der andere unsichtbar wird.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Bedeutung von Neugier in einer Partnerschaft:

Nicht ständig etwas Neues zu suchen, Sondern bereit zu sein, im vertrauten Menschen immer wieder etwas Neues zu entdecken.

Das gilt für Männer.

Das gilt für Frauen.

Und vielleicht ist das eines der schönsten Geheimnisse einer langen Liebe.


Quellen & weiterführende Literatur

  • Shackelford, T. K. et al.: Forschung zu Faktoren, die mit Untreue in Partnerschaften zusammenhängen.

  • Muise, A. et al.: Forschung zu gemeinsamer Neuheit und Beziehungszufriedenheit.

  • Reis, H. T. et al.: Forschung zur Bedeutung von wahrgenommener Responsivität und emotionaler Nähe in Partnerschaften.


Ich bin keine Paartherapeutin. Aber ich begleite Frauen ab 40 dabei, zu verstehen, was in ihrem Leben und in ihrer Beziehung passiert und was sie selbst verändern können.


Ihre Cornelia


P.S: kontakt und Termine unter 0172 10 17 303




 
 
 

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Telefon +49 (0)172 10 17 303

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